Mai 2026
Artikel

Energie in Eigenregie

Ide²n ENERGY SYSTEMS & E-MOBILITY suchte für sein neues Energiekonzept einen visionären Unternehmer. Die Profanter Natur-Backstube wollte ihre Energieversorgung radikal ändern. Das Ergebnis des gemeinsamen Projekts: Heute deckt der Bäckereibetrieb bis zu 100 Prozent seines Strombedarfs selbst.

Brixen – „Wir wollten unsere Energieversorgung selbst in die Hand nehmen“, sagt Benjamin Profanter. „Weg von Öl und Gas – nicht nur aus Umweltgründen, sondern weil wir nicht mehr davon abhängig sein wollten, was irgendwo auf der Welt passiert.“ Mit diesem Antrieb entschied der Brixner Unternehmer, die Energieversorgung seiner Bio-Bäckerei ganz neu aufzustellen. Energie ist für viele Südtiroler Produktionsbetriebe zum Risikofaktor geworden: externe Abhängigkeiten, schwankende Preise, schwierige Planung. Um davon unabhängig zu sein, entschied Profanter, den Großteil des benötigten Stroms selbst zu erzeugen. Den richtigen Partner dafür fand er in Ide²n Energy Systems & E-Mobility. Das Unternehmen – ein Spin-off des erfahrenen Energieversorgers Kostner Group 1947 aus Vahrn – ist auf innovative Energielösungen spezialisiert und war auf der Suche nach einem Anwender für ein neues System, das Stromerzeugung, Speicherung und intelligenten Verbrauch miteinander verbindet. „Mit Profanter haben wir ein Unternehmen gefunden, das bereit war, unser Konzept konsequent umzusetzen“, sagt Peter Vikoler, CEO von Ide²n. „Die Überlegung dahinter war einfach“, sagt Profanter. „Wer Energie zukauft, ist den Preisen ausgeliefert. Wer sie selbst erzeugt, gewinnt Kontrolle zurück und spart Geld.“ Das Ergebnis: Heute deckt der Betrieb rund 80 Prozent seines Strombedarfs selbst, im Sommer streckenweise 100 Prozent.

Sechs Dächer, ganztags Strom
Für Profanter passt dieser Ansatz zur Firmenphilosophie: möglichst vieles selbst und nachhaltig zu produzieren. Der Betrieb lässt Getreide fürs eigene Brotlokal anbauen; die Energie fürs Backen dieses Brotes ebenfalls vor Ort zu erzeugen, ist die konsequente Weiterführung dieses Gedankens. Profanter hatte sich bereits intensiv damit beschäftigt, welche kosteneffizienten Lösungen es für einen energiehungrigen Produktionsbetrieb gibt. „Die Vision des Unternehmers ist für uns die Grundlage“, bestätigt Ide²n-CEO Peter Vikoler. Bei der Konzipierung des Gesamtsystems stoßen viele Betriebe aber an ihre Grenzen, so Vikoler. „Die Technik ist heute oft gar nicht das Problem, die Herausforderung liegt eher darin, alles richtig zusammenzubringen – technisch, wirtschaftlich, rechtlich.“ Schnell wurde klar, dass einzelne Maßnahmen wie eine Photovoltaikanlage auf dem Betriebsdach nicht ausreichen würden. Entscheidend ist nicht nur, wie viel Strom erzeugt wird, sondern auch, wann er zur Verfügung steht. Schließlich laufen Backöfen auch um vier Uhr früh. Gerade in Produktionsbetrieben fallen Erzeugung und Verbrauch zeitlich oft auseinander. Ohne Speicher oder abgestimmte Steuerung bleibt viel Potenzial ungenutzt, Strom muss weiterhin teuer zugekauft werden. Die Lösung, die Ide²n mit Profanter entwickelte, wurde zum Leuchtturmprojekt: Statt die PV-Anlage auf die Produktionshalle der Bäckerei in der Handwerkerzone in Milland zu beschränken, wurde sie auf fünf weitere Dächer verteilt – eigens gepachtet und gezielt nach dem Sonnenverlauf ausgerichtet. Zwei Morgenanlagen fangen die ersten Sonnenstrahlen ein, später liefern eine Mittagsanlage und dann zwei Abendanlagen noch bis zum Sonnenuntergang Energie.

So geht „Autoconsumo a distanza“
Möglich wird diese standortübergreifende Stromproduktion dank des Modells „Autoconsumo a distanza“, das Ide²n ins Spiel brachte. Vikolers Team hatte die erste Anlage nach diesem Konzept bereits umgesetzt und bot sie Profanter als Basis für ein neues Energiesystem an. Im Modell „Autoconsumo a distanza“ bezieht das System den Strom für die Bäckerei aus dem öffentlichen Netz und lädt ihn in den Batteriespeicher – und zwar genau dann, wenn die PV-Anlagen auf den externen Dächern den Strom produzieren und diesen ins Netz einspeisen. Diese über das Stromnetz virtuell geteilte Energie ist die Basis für die dahinterstehende staatliche Förderung. Voraussetzung ist, dass sich alle Anlagen und der Verbrauchsort in einem abgegrenzten Gebiet rund um eine Hochspannungskabine des Stromnetzbetreibers befinden, im Fall von Profanter im Raum Brixen. Ide²n brachte einige geeignete Dachanlagen ins Projekt ein. „Und ich bin in den Bergen herumgefahren und habe mich beim Wandern umgesehen, um die perfekten Dächer zu finden“, sagt Benjamin Profanter. Im Eisacktal liegt der Schlüssel zur ganztägigen Sonneneinstrahlung eben in der Höhe. Die Anlagen verteilen sich nun auf drei Stadeldächer, ein Hotel und eine Industriehalle. Ide²n übernahm auch die vertragliche Abwicklung mit den Eigentümern der Dächer, für die sich so ein zusätzlicher Ertrag auf einer unproduktiven Fläche ergab. Ergänzt wird das System durch einen Batteriespeicher, der überschüssige Energie aufnimmt und dann bereitstellt, wenn sie tatsächlich gebraucht wird, etwa nachts oder bei Lastspitzen in der Produktion. So entsteht über den Tag hinweg ein gleichmäßiges Energieprofil und der Betrieb spart deutlich Stromkosten ein. Das Zusammenspiel aus dezentraler Erzeugung, Speicherung und intelligenter Nutzung macht den hohen Eigenversorgungsgrad im Betrieb überhaupt erst möglich. „Ide²n hat unsere Anfangsidee in ein funktionierendes Gesamtsystem übersetzt“, sagt Benjamin Profanter. „Sie waren die Einzigen, die in allen Bereichen richtig gut informiert waren.“

Kombinierte Förderungen
Schritt für Schritt konkretisierte das aus Ingenieuren und Technikern zusammengesetzte Ide²n-Team das System gemeinsam mit Profanter. Am Anfang stand eine detaillierte Analyse des Energiebedarfs und der Lastprofile im Betrieb – also, wann wie viel Energie tatsächlich benötigt wird und wie sich der Bedarf mit der Stromproduktion sinnvoll abdecken lässt. Darauf aufbauend entwickelte Ide²n das Gesamtkonzept unter Berücksichtigung technischer und wirtschaftlicher Gesichtspunkte und klärte die rechtlichen Rahmenbedingungen. Knackpunkt für die Finanzierung war die Kombination verschiedener Fördermodelle. Die staatliche Förderung „Transizione 5.0“ ermöglichte die hohe Anfangsinvestition; neben PV-Anlagen und Batterietechnik gehörten dazu die notwendige Trafokabine sowie sieben neue Öfen. Profanter ersetzte im Zuge des Projekts seine ölbetriebenen Backöfen durch elektrische: für die Branche unüblich, aber letztere sind wartungsärmer, effizienter und strahlen deutlich weniger Wärme ab, sodass die Backstube weniger gekühlt und belüftet werden muss. Ein willkommener Nebeneffekt. Gleichzeitig sieht das Modell „Autoconsumo a distanza“ eine lukrative Rückvergütung vor: Die Bäckerei erhält Zulagen für den Strom, der von den PV-Anlagen ins Netz eingespeist und gleichzeitig sofort selbst verbraucht wird. Beide Förderungen zu kombinieren, war nicht trivial: Ide²n tauschte sich dazu direkt mit der nationalen Energiebehörde Gestore dei Servizi Energetici (GSE) aus, das Projekt in Brixen wurde zur Referenz für ähnliche Vorhaben in ganz Italien. Als Batterie- und Steuerungssystem brachte Ide²n ein BESS (Battery Energy Storage System) des italienischen Herstellers Pramac ein. Die kobaltfreie Lithium-Eisenphosphat-Batterie mit einer Leistung von 264 kW und einer Speicherkapazität von 1.066 kWh ist in einem Container untergebracht, mit Sensorik, Brandschutz, Klimatisierung und intelligenten Steuerungsgeräten. Um den Speicher für das Konzept „Autoconsumo“ einzurichten, entwickelte Pramac die Steuerung nach den Anforderungen von Ide²n eigens neu.

Es rechnet sich
Für Benjamin Profanter war von Anfang an klar: Diese Investition macht nicht nur ökologisch Sinn, sondern rechnet sich auch ökonomisch und stellt einen Wettbewerbsvorteil dar. Profanters Investition von 1,8 Millionen Euro (bei sechs Millionen Euro Jahresumsatz) amortisiert sich – je nach Entwicklung der Energiepreise – nach nur sechs bis acht Jahren anstelle der üblichen zehn bis zwölf. Danach arbeitet das System praktisch wartungsfrei weiter und produziert so gut wie kostenlos Strom. „Und durch die Rückvergütung dank ‚Autoconsumo a distanza‘ werden PV-Anlage und Speicher zum Profitcenter“, so der Unternehmer. „Es ist im Grunde wie beim Elektroauto: Anfangs schrecken noch die höheren Anschaffungskosten ab, aber langfristig ist es weit günstiger und umweltschonender“, sagt Profanter, der einen Großteil seiner Fahrzeugflotte elektrisch betreibt und mit selbst produziertem Strom lädt. „Nicht nur in der aktuellen Erdöl- und Treibstoffkrise eine enorme Kostenersparnis“, sagt der Bäckermeister, und plant daher mit Ide²n bereits eine Erweiterung: neue Dachflächen, mehr Speicher. Das Ziel: den Eigenversorgungsgrad ganzjährig auf über 100 Prozent zu bringen und so seinen Betrieb klimapositiv und gleichzeitig unabhängig von der Preisachterbahn fossiler Energieträger zu machen.

Partner für innovative Energieprojekte
Projekte wie dieses werden in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen. Die Technik entwickelt sich weiter, Photovoltaik ist mittlerweile günstig, die Speicherpreise sinken. Gleichzeitig steigt der Druck, Energie unabhängiger und effizienter zu nutzen. Für viele Betriebe stellt sich damit nicht mehr die Frage, ob, sondern wie sie ihre Energieversorgung neu aufstellen. „Viele Unternehmer setzen sich mit dem Thema Stromspeicherung schon länger auseinander“, sagt Peter Vikoler von Ide²n. „Oft fehlt nur die zündende Idee von einem spezialisierten Partner wie uns, um das Puzzle der autonomeren Energieversorgung zu komplettieren.“ Wenn unternehmerische Vision und spezialisiertes Know how zusammentreffen, bleiben Projekte nicht in der Schublade stecken, sondern lassen sich gewinnbringend realisieren. „Wichtig ist, die vorhandenen Möglichkeiten und Bedürfnisse clever zu kombinieren, um das Optimum herauszuholen“, so Vikoler.

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